Warum das Artensterben uns alle etwas angeht

Warum das Artensterben ein Problem ist, das alle etwas angeht, fragen sich viele. Wir möchten hier versuchen einige Gründe zu erklären und dir verständlich zu machen, warum wir uns primär für den Schutz bedrohter Arten einsetzen.

ein tropischer Regenwald


Unsere Welt ist einzigartig in diesem Universum - jedenfalls nach dem heutigen Wissensstand. Diese Einzigartigkeit zeigt sich in vielen Facetten. Die mitunter erstaunlichste ist aber ihr unglaublich komplexes Ökosystem. Auch wir Menschen sind ein Teil davon.

Dieses System, das dafür sorgt, dass alles Leben auf unserem Planeten möglich ist, ist aufgrund seiner hohen Komplexität sehr angreifbar. Schon kleine Veränderungen in seinem Aufbau reichen, um das komplette Gebilde ins Wanken zu bringen. Auf den ersten Blick betrifft es uns Menschen nicht, wenn irgendwo auf der Welt eine Käferart oder ein seltenes Säugetier ausstirbt. Für uns sind keine direkten Folgen zu erkennen. Doch schaut man genauer hin, so erkennt man einen gravierenden Fehler in dieser Annahme.

 

viele orange-schwarze Falter



Unser Ökosystem ist auf einem Geben und Nehmen aufgebaut. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, nach denen selbst wir uns ab einem gewissen Punkt richten müssen. Wenn in dem Gebilde aus Verbindungen in der Tier- und Pflanzenwelt ein Ungleichgewicht entsteht, dann folgt ein unwiderruflicher Dominoeffekt mit weitreichenden Folgen.

So kann das Aussterben einer Pflanze weite Kreise ziehen und zum Verschwinden von vielen weiteren Arten führen, die sich von ihr ernährt haben oder deren Beute beispielsweise die Insekten waren, die jene Pflanzenart bestäubt haben.

Fledermaus an einem Baum

 

Es gibt zahlreiche gute Beispiele, die diesen verheerenden Dominoeffekt veranschaulichen und auch die Folgen für die Menschheit aufzeigen.
Eines dieser Gedankenspiele beschreibt der Biologe und Journalist Lothar Frenz in seinem Buch "Wer wird überleben? Die Zukunft von Natur und Mensch".

Was würde passieren, wenn plötzlich alle Parasiten auf dieser Welt ausgestorben wären? Wenn es keine Würmer, Flöhe, Zecken, Viren, ect. mehr gäbe?

Lebewesen wie diese würden wir sicher nicht vermissen und man könnte sich genau diese Fragen stellen: Was geht mich das an, wenn diese Kleinstlebewesen sterben? Warum sollte mich das kümmern? Schließlich fügen sie uns Schaden zu. Doch Frenz zeigt, dass dies zu kurz gedacht ist.

Parasiten wie Würmer oder Viren machen uns zwar krank und nutzen unseren Körper als Wirt, aber sie trainieren dabei auch unser Immunsystem und damit unsere körpereigene Sicherheitszentrale.
Wären Parasiten nun ausgerottet, so wäre das menschliche Immunsystem und dessen Abwehrzellen unterfordert. Schnell würden Allergien und Autoimmunerkrankungen zunehmen und unser eigenes Sicherheitssystem würde sich gegen den eigenen Wirt richten: den menschlichen Körper.

Doch das Fehlen der unbeliebten Kleinstlebewesen hätte noch ganz andere Folgen. Pflanzenfressende Insekten und Tiere, die die Parasiten zuvor in Schach gehalten hätten, würden sich nun gesteigert vermehren können und unkontrolliert Landwirtschaft und Forstgebiete bedrohen.

Insektenplage



Auf lange Sicht gesehen würde die Evolution wahrscheinlich mehr Raubtierarten entwickeln, als Ersatz für die Parasiten. Eine nicht kontrollierbare und schwer vorhersehbare Veränderung in der Evolution wäre also die langfristige Folge des Aussterbens dieser nutzlos scheinenden Lebewesen.
Doch gerade die kurzfristigen Folgen sind die, die uns Menschen zu schaffen machen würden. Neue Krankheiten, Nahrungsnot und eine immense Verbreitung von sogenannten "Schädlingen" sind nur drei der denkbaren Konsequenzen für die Menschheit.

An diesem Beispiel sieht man, dass selbst die unscheinbarsten Lebewesen, denen wir keinen positiven weltlichen Nutzen zuschreiben möchten, eine wichtige Stütze unseres Ökosystems und damit unserer Welt wie wir sie heute kennen sind. Jede Art auf diesem Planten hat ihre Aufgabe, um das System stabil zu halten - egal ob Würmer, Bienen oder Leoparden.

Dass einzelne Arten aussterben, ist normal und der Lauf der Evolution. Doch das Problem, dem wir gegenüberstehen, ist ein Massensterben vieler verschiedener Arten - querbeet durch das ganze Tier- und Pflanzenreich.
Im März 2021 standen circa 90.000 Arten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN - mehr als 37.500 davon sind akut bedroht. In dieser Dimension wird das Sterben jeder einzelnen Art für unseren Planeten gefährlich.

Das globale Artensterben und das Weiterbestehen unserer heutigen Welt sind eng miteinander verbunden. Jeder weitere Dominostein, der fällt, bringt das System weiter zum Einsturz. Die Folgen für Wirtschaft, politische Stabilität oder das Steigen von Fluchtbewegungen sind deutlich erkennbar.
Wir müssen heute noch anfangen zu handeln, um diesen Vorgang zu verlangsamen und mit viel Glück vielleicht noch zu stoppen.

 

Weitere Fakten zum globalen Artensterben findest du hier!

 

Wüste